Versorgung von Schwerstverletzten und Polytrauma

In Deutschland ereignen sich pro Jahr sieben bis acht Millionen Unfälle mit etwa 580 000 Verletzten, davon 33.000 bis 38.000 Schwerverletzte mit einem ISS > 16. Die erfolgreiche Behandlung eines polytraumatisierten Patienten mit operativen und intensivmedizinischen Maßnahmen ist trotz Fortschritten im Verständnis der Pathophysiologie, der Diagnostik, der chirurgischen und intensivmedizinischen Therapie eine interdisziplinäre Herausforderung. Derzeit erliegen in Deutschland immer noch 14% der polytraumatisierten Patienten ihren Verletzungen  und sterben entweder noch vor Erreichen des nächsten Krankenhauses oder aber während des stationären Aufenthalts. Somit bleibt in Mitteleuropa der Unfall mit schwerem Trauma die häufigste Todesursache bei Menschen unter dem 40. Lebensjahr.

Definitionen

Als Polytrauma werden Verletzungen mehrerer Körperregionen oder Organsysteme genannt, wobei wenigstens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer Verletzungen vital bedrohlich ist. Das Polytrauma ist von der Mehrfachverletzung ohne vitale Bedrohung oder der schweren, lebensbedrohlichen Einzelverletzung (Barytrauma) zu unterscheiden.

Zur Einschätzung der Verletzungsschwere wurden unterschiedliche Klassifikationen eingeführt:

  • 1965 führte die Association for the advancement of automo-tive medicine die Abbreviated Injury Scale (AIS) ein. Die AIS bewertet jede Einzelverletzung mit einer Punktzahl von 1 bis 6 Punkten (leicht bis nicht überlebbar).
  • Baker et al entwickelte 1987 aus dem AIS den Injury Severity Score (ISS). Dabei wird aus den einzelnen AIS-Werte (Abbreviated-Injury-Scale) der ISS errechnet. Der Grad der Verletzungsschwere wird auf einer Scala von 1 bis 6 für 6 Körperregionen (Schädel und Hals, Gesicht, Thorax, Abdomen, Extremitäten, Weichteil) bestimmt. Die Punkte der 3 am schwersten betroffenen Regionen werden quadriert und zum ISS addiert. Bei einem ISS ≥ 15 spricht man nach dieser Definition von einem Polytrauma.
  • Der Hannoveraner Polytraumaschlüssel (PTS) nach Oestern, Tscherne, Sturm und Nerlich von 1985 berücksichtigt im Vergleich zum ISS ebenfalls die einzelen Verletzungen nach Regionen aber auch deren Anzahl und mit dem Alter die biologische Konstitution des Patienten. Die Regionen Schädel (PTSS), Abdomen (PTSA), Extremitäten (PTSE), Thorax (PTST), Becken (PTSB) und das Alter werden je nach Schweregrad mittels Punktewerten klassifiziert. Nach Addition der Punkte erfolgt eine Einteilung in 4 Schwere-grade: I < 19, II 20-34, III 35-48, IV >49 Punkte.


Eine weltweit einheitliche Definition des Begriffs Polytrauma existiert nicht.

Qualitätssicherung - Patientensicherheit

Für die Sicherheit unserer Patienten und Qualitätssicherung unserer Schwerstverletzten Versorgung ist unsere Klinik aktiv am Traumaregister der DGU beteiligt. Unsere Klinik als überregionales Traumazentrum im Traumanetzwerk Berlin/Brandenburg eingegliedert. Weiterhin gibt es eine Arbeitsgruppe Polytrauma und Schockraum-Algorithmus, welche die Behandlungsalgorithmen, Datenauswertungen und interdisziplinäre Fallbesprechungen zur internen Qualitätssicherung organisieren und erstellen.

Die Effektivität dieser Maßnahmen bestätigen die jährlichen Jahresberichte des Traumaregisters der DGU. 2007 konnte unser Zentrum eine Sterblichkeit der Schwerstverletzten von 9,2%, über 2% unter dem Durchschnitt in Deutschland verzeichnen.

Kontakt

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Verlegungen/Beratung:
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