Polytraumamanagement der Sektion für Unfallchirurgie

Die Sektion für Unfallchirurgie des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) bietet die umfassende Versorgung von Schwerstverletzten: vom Unfallort bis zur Nachsorge nach der Rehabilitationsphase.

Die Unfallchirurgen des CMSC sind aktiv am Notarztdienst in Berlin beteiligt und behandeln rund 700 Schwerstverletzte pro Jahr. 50% dieser Patienten und Patientinnen hatten ein Polytrauma erlitten.

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Versorgung von Schwerstverletzten und Polytrauma

In Deutschland ereignen sich pro Jahr sieben bis acht Millionen Unfälle mit etwa 580.000 Verletzten, davon 33.000 bis 38.000 Schwerverletzte mit einem ISS > 16. Die erfolgreiche Behandlung eines polytraumatisierten Patienten mit operativen und intensivmedizinischen Maßnahmen ist trotz Fortschritten im Verständnis der Pathophysiologie, der Diagnostik, der chirurgischen und intensivmedizinischen Therapie eine interdisziplinäre Herausforderung.

Derzeit erliegen in Deutschland immer noch 14% der polytraumatisierten Patienten ihren Verletzungen  und sterben entweder noch vor Erreichen des nächsten Krankenhauses oder aber während des stationären Aufenthalts. Somit bleibt in Mitteleuropa der Unfall mit schwerem Trauma die häufigste Todesursache bei Menschen unter dem 40. Lebensjahr.

Pro Jahr werden in den Rettungsstellen der Charité – Universitätsmedizin Berlin  ca. 700 Schwerstverletzte als Voralarm über die Trauma-Hotline angemeldet und behandelt. 50% dieser Patienten haben ein Polytrauma erlitten. Zusätzlich werden ca. 15 polytraumatisierte Kinder pro Jahr behandelt.

Was heißt Polytrauma?

Als Polytrauma werden Verletzungen mehrerer Körperregionen oder Organsysteme bezeichnet, wobei wenigstens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer Verletzungen als lebensbedrohlich einzustufen ist.

Das Polytrauma ist von der Mehrfachverletzung ohne vitale Bedrohung oder der schweren, lebensbedrohlichen Einzelverletzung (Barytrauma) zu unterscheiden.

Zur Einschätzung der Verletzungsschwere wurden unterschiedliche Klassifikationen eingeführt:

  • 1965 führte die Association for the advancement of automo-tive medicine die Abbreviated Injury Scale (AIS) ein. Die AIS bewertet jede Einzelverletzung mit einer Punktzahl von 1 bis 6 Punkten (leicht bis nicht überlebbar).
  • Baker et al entwickelte 1987 aus dem AIS den Injury Severity Score (ISS). Dabei wird aus den einzelnen AIS-Werte (Abbreviated-Injury-Scale) der ISS errechnet. Der Grad der Verletzungsschwere wird auf einer Scala von 1 bis 6 für 6 Körperregionen (Schädel und Hals, Gesicht, Thorax, Abdomen, Extremitäten, Weichteil) bestimmt. Die Punkte der 3 am schwersten betroffenen Regionen werden quadriert und zum ISS addiert. Bei einem ISS ≥ 15 spricht man nach dieser Definition von einem Polytrauma.
  • Der Hannoveraner Polytraumaschlüssel (PTS) nach Oestern, Tscherne, Sturm und Nerlich von 1985 berücksichtigt im Vergleich zum ISS ebenfalls die einzelen Verletzungen nach Regionen aber auch deren Anzahl und mit dem Alter die biologische Konstitution des Patienten. Die Regionen Schädel (PTSS), Abdomen (PTSA), Extremitäten (PTSE), Thorax (PTST), Becken (PTSB) und das Alter werden je nach Schweregrad mittels Punktewerten klassifiziert. Nach Addition der Punkte erfolgt eine Einteilung in 4 Schwere-grade: I < 19, II 20-34, III 35-48, IV >49 Punkte.

Eine weltweit einheitliche Definition des Begriffs Polytrauma existiert nicht.

Qualitätssicherung im Traumanetzwerk Berlin/Brandenburg

Notfalleinsatzfahrzeug

Für die Sicherheit der Patienten und Patientinnen und zur Qualitätssicherung der Schwerstverletztenversorgung ist das Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC) aktiv am Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) beteiligt.

Das CMSC ist als überregionales Traumazentrum im Traumanetzwerk Berlin/Brandenburg eingegliedert. Die Effektivität dieser Maßnahmen bestätigen die jährlichen Jahresberichte des Traumaregisters der DGU: 2007 verzeichnete die Sektion Unfallchirurgie des CMSC eine Sterblichkeit der Schwerstverletzten von 9,2% – über 2% unter dem Durchschnitt in Deutschland.

Außerdem ist das Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie seit mehr als zehn Jahren Gastgeber des Berliner Rettungsdienstsymposiums, das gemeinsam mit der Berliner Feuerwehr und dem Unfallkrankenhaus Berlin organisiert wird.

Das Symposium gehört zu den größten notfallmedizinischen Kongressen in Deutschland und ist der einzige in dieser Größe, dessen Teilnahme kostenlos ist.